Das Konzept
Pädagogischer Ansatz

"Kinder werden nicht erst zu Menschen – sie sind schon welche. Ja! Sie sind Menschen, keine Puppen. Man kann ihren Verstand ansprechen - sie antworten uns; sprechen wir zu ihrem Herzen - fühlen sie uns. Kinder sind Menschen; in ihren Seelen sind Ansätze all der Gedanken und Gefühle, die wir besitzen. Also gilt es, diese Ansätze zu entwickeln, ihr Wachstum behutsam zu lenken."
Mit diesem Bild vom Kind entwickelte der Pädagoge Janusz Korczak Anfang des 20. Jahrhunderts eine "Pädagogik der Achtung", an der wir unsere Arbeit in der Tagespflege orientieren.
Als erste und wichtigste Bedingung erzieherischen Handelns sieht Korczak das Bemühen um Mitgefühl und einfühlendes Verstehen, was heute allgemein als Empathie bezeichnet wird. Dies bedeutet beim Umgang mit Kindern, "dass wir zu ihren Gefühlen empor klimmen müssen. Empor klimmen, und ausstrecken, auf die Zehenspitzen stellen, hinlangen." Für die Arbeit in der Tagespflege resultiert daraus, dass wir stets bemüht sein müssen, das Kind zu verstehen, seine Gedanken nachzuempfinden sowie auf seine Ängste und Hoffnungen Rücksicht zu nehmen.
Die zweite Erziehungsmaxime Korczaks lässt sich auf die Formel "mit den Kindern leben, sie begleiten, statt sie zu bevormunden" bringen. Achtung vor dem Kind und ein partnerschaftlichen Umgang mit ihm löst diesen Anspruch ein. Das Kind hat in gleicher Weise Anspruch auf Achtung als Person wie auch der Erwachsene vom Kind Respekt und Achtung erwarten kann. Nur indem es selbst Achtung erfährt, lernt das Kind andere Menschen zu achten.

Für die Tagespflege bedeutet dies, dass jedes Kind als gleichwertig und damit als gleichberechtigt anerkannt und seine Autonomie respektiert wird. "Die Aufgabe des Erziehers ist es, wenn er ein Kind erzieht, es unter den Flügeln der Freundlichkeit und der Erfahrung zu behüten. Wärme und Ruhe spendend, muss er vor der Gefahr beschirmen, muss die Kinder bewahren, bis sie erwachsen und selbstständig geworden sind, bis sie Kräfte zum eigenen Flug gesammelt haben."

Des Weiteren spricht Korczak Kindern verschiedene Grundrechte zu, z.B. das Recht auf Selbstständigkeit, Selbstbestimmung, eigene Erfahrungen, Erfolge und auch Misserfolge. Dementsprechend werden den Kindern in unsere Tagespflegestelle Freiräume zur Verfügung gestellt, die ihnen die Erschließung ihrer Umwelt ermöglichen und in denen sie ganzheitliche Erfahrungen sammeln können.

Den Kindern werden keine Angebote "übergestülpt", sondern sie können sich Materialien und Aktionen aussuchen, die ihren aktuellen Bedürfnissen und Interessen entsprechen. Die Spielsituationen werden dabei jedoch sowohl angeleitet als auch begleitet, damit die Kinder situationsadäquat gefördert werden können. Alles dürfen und sollen die Kinder selbst ausprobieren, sodass sie die Möglichkeit haben Herausforderungen auf ihre Art und Weise zu bewältigen.

Bei den Aktivitäten des täglichen Lebens wie z.B. Essen, Händewaschen usw. gilt der Grundgedanke der Montessoripädagogik "Hilf mir, es selbst zu tun". Dabei wird den Kindern von den Tagespflegepersonen Vertrauen in ihre Fähigkeiten entgegengebracht, damit sie Vertrauen und Zutrauen zu sich selbst entwickeln und festigen können.
Nur so können die Kinder einmal sagen: "Das kann ich ziemlich gut, denn ich habe es geübt. Das möchte ich können, das werde ich üben."

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Kinder gänzlich ohne Grenzen betreut werden, im Gegenteil: Klare Absprachen und Regeln sind für beide Seiten wichtig, aber sie müssen sinnvoll bleiben und dürfen den Kindern nicht willkürlich oder unlogisch erscheinen.

Im Rahmen der Tagespflege spielt das von Korczak geforderte Recht des Kindes so zu sein, wie es ist, eine besonders große Rolle. Hier spiegelt sich unser Bild vom Kind besonders deutlich wieder: "Nicht wie und was das Kind sein sollte ist wichtig, sondern wie und was das Kind ist." Uns ist es wichtig, das Kind nicht aus dem defizitären Blickwinkel zu betrachten, sondern an seinen Interessen, Stärken und Kompetenzen anzusetzen, um es so optimal zu fördern. Dabei steht nicht das Üben von Dingen im Vordergrund, die das Kind noch nicht kann, sondern vielmehr die Arbeit an den momentanen Themen des Kindes.

Das Kind bestimmt das Thema sowie die Richtung und wir müssen uns darauf einlassen, das Kind kennen zu lernen und uns immer wieder neu überraschen zu lassen.
Dies setzt voraus, dass die Kinder sorgfältig beobachtet und die Beobachtungen dokumentiert und reflektiert werden. Korczak formuliert die pädagogische Aufgabe in diesem Zusammenhang folgendermaßen: "Es geht nicht darum, sich Gedanken zu machen, was und wie man etwas von einem Kind verlangt, was man ihm befiehlt oder verbietet, sondern darum, was ihm fehlt und wovon es zu viel hat, was es von sich aus geben kann."
Hier stehen wir in einem engen Austausch mit den Eltern der Kinder und teilen ihnen unsere Beobachtungen mit. Die Eltern werden stets als kompetente Partner und "Experten für ihr Kind" betrachtet, alles Handeln geschieht in enger Absprache mit ihnen.



Links      -       Impressum und Kontakt